Kleidung der Wikingerzeit

Etwa 700 v. Z. kam es zu einem Klimasturz mit einem Temperaturabfall auf das heutige Niveau, an Stelle der bisherigen, trockenen trat eine feuchte Witterung, die sich bis heute nur wenig gebessert hat. Eine Folge war das Aufkommen der Hose, zuerst als Kniehose, dann als lange Hose. Eine andere war die zunehmende Beliebtheit der Pelzkleidung, besonders als Bestandteil der Festkleidung. Neben Schaffellen fanden alle einheimischen Tierarten Verwendung.

Die Kleidung besteht aus einer kurzen oder langen Hose, einem hemdartigen Kittel mit oder ohne Ärmel und einem großen, rechteckigen Tuchstück, das als Mantel getragen wird. Als Hosenstoff dient Leder, Wolle und Leinen, u.a. Rautendrell. Die Hose ist aus einem Tuchstück zugeschnitten, umgelegt und vernäht, da sie im Bund sehr weit ist, wird sie stark in Falten gelegt und mit einem Gürtel gehalten. Auch ein Schnitt aus mehreren Einzelteilen ist möglich. Kurze Hosen werden durch Unterschenkelbinden, Kniebinden und Kniegürtel ergänzt. Jedes Bein wird von einem Stoffstück umschlungen, hat also nur an den Innenseiten eine Naht. Die Hosennaht ist an den Unterschenkeln nicht geschlossen, sondern wird durch Schnüre, später Riemen, verschlossen. Die Oberbekleidung (Kittel) aus Leinen, seltener aus Wolle hat einen hemdartigen Zuschnitt. Der Kittel ist ärmellos und aus einem Stück gefertigt. Das lange Tuch ist einfach zusammengelegt und wird mit einem Gürtel in der Taille zusammengehalten, teilweise sind zusätzlich lange Ärmel eingesetzt.

In Thorsberg wurde eine mit festen Seitenkanten gewebte Stoffbahn von 58 cm Breite benutzt. Zwei größere Stücke von je 95 cm Länge ergeben Vorder- und Hinterteil, die den Kittel bis zur Hälfte der Oberschenkel herabführen. Auf beiden Schultern sind die großen Stoffstücke von den Außenkanten aus auf 16 cm (Halsöffnung) zusammengenäht. Hier hat die Vorderkante eine mit der Achselnaht durchlaufende Grade, während die Rückseite auf 2 cm ausgerundet ist. Im ganzen ist die Halsöffnung umsäumt. Die angesetzten Ärmel haben als Länge die Stoffbreite, wodurch sich an der Ärmelöffnung sowie am oberen Rand die Webkante befindet. Ein kunstvolles Bändchen von 1,3 cm Breite ziert als Besatz die Ärmelabschlüsse. Ärmel, Saum und Halsausschnitt sind mit farbigen Borten abgesetzt. Bei genügender Stoffbreite ist es günstig, die Webkanten mit den Ärmelenden abschließen zu lassen und die Kittellänge dann frei zu gestalten.

Ein Mantel ist ein viereckiges Tuchstück (Decke oder Umschlagetuch) mit Größen um 3 m Länge und 1,80 m Breite. Der Wollmantel hat neben der meist viereckigen auch rhombische Form. Meistens wird er über die Schultern gelegt, seltener wird ein Schlitz für den Kopf eingeschnitten (Poncho). Auch Kapuzenmäntel kommen vor. Manchmal kommt es zu einer Verdopplung des Manteltuches (Plaid). Verzierungen durch Anbringung von breiten, teilweise farbigen Säumen, Borten und Besätzen oder Fransen sind häufig. Die Farben, auch Ein- und Mehrfarbigkeit, und Muster (streifig, kariert, wurmbunt) wechseln. Die großen viereckigen Decken werden nun nicht willkürlich um den Körper geschlagen, sondern die Länge des Gewebes von 3 m und mehr wird stets doppelt genommen. Bei einer Breite von 1,80 m hängt der Wollstoff dann etwa 1,50 m von den Schultern herab. Die Enden werden vor der Brust zusammengezogen und an der rechten Schulter mit einer Fibel befestigt. Der dadurch entstehende Faltenfall läßt die Oberschenkel frei und behindert das Gehen nicht. Durch ein Zurückschlagen der einen oder nach Wunsch beider Seitenstücke über die Schultern werden die Arme frei zum Gebrauch. Der reiche Faltenfall gestattet aber auch ein vollständiges Einhüllen des ganzen Körpers. Durch Umschlagen der Decke kann auch eine Kapuze gewonnen werden.

Ein besonders praktisches Kleidungsstück, dessen Schnitt hier vorgestellt werden soll, ist der Gugel, der in verschiedenen Ausführungen im Bereich wikingerzeitlicher Marktsiedlungen, u.a. auch in Haithabu gefunden wurde. Der Gugel wird aus relativ dickem verfilzten und gefetteten (Lanolin) Wollstoff gefertigt, damit er regenabweisend und wärmend wirkt. Aus diesem Grund sollte er keine Scheitelnaht haben und die Schulterweite sollte so angepaßt sein, daß die Schultern bequem überdeckt werden. Der Halsdurchschlupf muß natürlich der persönlichen Kopfweite angepaßt werden. Der Zipfel war in der Wikingerzeit zumeist recht kurz gehalten, eine längere Ausführung ist jedoch sehr praktisch, da der Zipfel dann bei ungünstigem Wetter um den Hals geschlungen und vorne zugezogen werden kann, beim Gehen sollte er dann vom Gürtel mitgehalten werden. Für die Nähte und den Saum muß ein Stoffzuschlag berücksichtigt werden (etwa 2 - 3 cm).

Aktuelles

09. April 2018
April-Stammtisch fällt aus


Aufgrund einer Vereinssitzung fällt der Stammtisch im April aus. Der nächste Stammtisch findet am 12.05.2018 statt.
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23. Dezember 2016
Nachruf auf Einar


Nun bist Du fort! Viel zu früh und auf eigenen Wunsch. Unzählige Feste haben wir zusammen gefeiert, zusammen getrommelt, gelacht und gesungen, Alltägliches erlebt und Besonderes, und ...
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17. November 2015
30 Jahre Heidnische Gemeinschaft


Seit 1985 besteht die Heidnische Gemeinschaft als Verein. Grund genug für uns, ein ordentliches Fest zu veranstalten. Mehr dazu hier oder auf unserer Facebook-Seite.
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