Freyr

Wenn das heidnische Osterfest gefeiert ist, sind die Tage wieder länger als die Nächte und bei jedem Sonnenlauf nimmt der Tag der Nacht wieder ein weiteres Stück ab. In diesen Tagen kommt auch die Zeit, das Maifest zu begehen, die fruchtbare Vereinigung von jugendlichem Sonnengott und blühender Erdgöttin.

Dieser jugendliche Sonnengott ist Freyr.

Freyr ist der Sohn des Niördr, der Bruder der Freya und entstammt der Götterfamilie der Wanen. Er wird in der Großen Mütternacht geboren. Dies ist die längste Nacht des Jahres, die Nacht der Wintersonnenwende, in der das Julfest begangen wird.

Das heilige Tier des Freyr ist der Eber. Im Skaldskaparmal lesen wir dazu, daß Freyr von dem Zwerg Brock einen goldenen Eber mit dem Namen Gullinbursti (Goldborsten) geschenkt bekommt, der später seinen Wagen zieht. Von diesem Eber wird gesagt, er renne durch Wasser und Luft Tag und Nacht, schneller als ein Pferd und nie wäre es so dunkel in der Nacht, daß es nicht hell genug wäre durch seine leuchtenden Borsten.

Es wird klar, daß dieser Eber die aufgehende Sonne darstellt, die mit ihren Strahlen die Dunkelheit durchdringt und so erinnert auch die gerade halb über dem Horizont erschienene Sonne mit ihrer Halbkugelform und ihren ausgesendeten Strahlen an einen goldenen Eber.

Ein weiteres Attribut, das Freyr bei dieser Gelegenheit erhält, ist das Schiff Skidbladnir.Dieses Schiff hat immer Wind auf den Segeln und ist dazu so groß, daß es alle Asen mitsamt ihren Waffen aufnehmen kann, es kann aber auch klein zusammengefaltet und wie ein Tuch in der Tasche getragen werden. Dieses Schiff ist ein Symbol für die Wolken. An einem strahlendblauen, wolkenlosen Tag ist Skidbladnir zusammengefaltet und ziehen Wolken auf, kann das Schiff so groß werden, daß es den ganzen Himmel bedeckt.

Das nächste Fest im Jahreslauf nach Jul ist das Fröblot (Januar/Februar) und auch hier wird, der Name sagt es, der Gott Freyr angerufen. Es ist dies die Zeit, zu der Freyr um die schöne Riesin Gerdr wirbt. Gerdr steht für die noch unfruchtbare Erde (Riesin), die aber schon die kommende Fruchtbarkeit und Blüte in sich trägt (Schönheit).

Das Werben Freyrs ist auch nicht sofort, sondern erst nach einigen Mühen und Rückschlägen erfolgreich, dies ist ein Zeichen, wie sich der Frühling langsam gegen den Winter durchsetzt.

Freyr schickt als Brautwerber seinen Diener Skirnir auf den Weg und gibt ihm sein kostbares Schwert mit, das er später noch schmerzlich vermissen wird. Das Schwert symbolisiert den wärmenden Strahl der Frühlingssonne, der ausgesendet wird, um die Erde zu befruchten und zum Blühen zu bringen. Zum Maifest schließlich, das in diesen Tagen ansteht, ist Freyr der potente, kraftstrotzende Held, der Aspekt des Fruchtbarkeitsgottes ist nun überdeutlich. So ist das Maifest das ausgelassenste und sinnenfrohste Fest des ganzen Jahres.

Auch das in vielen Quellen beschriebene alljährliche, wilde Treiben der Hexen und Zauberlehrlinge auf dem Blocksberg hat hierin seinen Ursprung. Es ist verständlich, daß eine derartige sexuelle Freizügigkeit den verklemmten Kirchenvätern des Mittelalters ein Dorn im Auge gewesen sein mußte.

Bei den heidnischen Maifesten unserer Vorfahren wurden Wettspiele veranstaltet, bei denen die Männer und Frauen ihre geistige und körperliche Kraft maßen. Am Ende dieser Spiele wurden dann der Sieger und die Siegerin zum Maigrafen bzw. zur Maigräfin bestimmt, die während des Festes die Gottheiten Freyr und Freya darstellen sollten und bevorzugt behandelt wurden. Nach dieser Zeit ist aber die machtvolle Zeit des Freyr vorbei, der jugendliche Sonnengott wechselt sich ab mit dem gereiften Sonnengott Baldur und dieser schließlich im Herbst mit dem alten Sonnengott Odin.

Im Spätherbst dann gewinnen die riesischen, lebensfeindlichen Kräfte wieder die Oberhand und für die Götter bricht ihr Schicksal, das Ragnarök, heran.

Freyr, die wärmende, lebenspendende Kraft der Sonne, tritt hier gegen den Feuerriesen Surtr an, der die vernichtende Kraft des ungebändigten Wildfeuers darstellt. Er unterliegt nach langem Kampf, weil er, wie am Anfang erwähnt, sein Schwert verliehen hat. Freyr stirbt also, um dann in der Julnacht, zur Wintersonnenwende, wiedergeboren zu werden.

Der Gott Freyr ist die Sonne im Frühling. Er ist die milde Wärme des gebändigten Feuers, das im heimischen Ofen lodert oder bei kultischen Festen brennt.

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